Spotify ersetzen. Aber womit?


Ich trage mich schon seit knapp einem Jahr mit dem Gedanken, Spotify endlich zu verlassen. Was mich dort am meisten stört, sind die Flut KI-generierter Musik, die Verfügbarkeit von Rechtsrock und die unterirdische Künstlervergütung. Dazu kommen algorythmische Empfehlungen, die keinen Raum für die Entdeckung neuer Musikrichtungen lassen. Dass Spotify zuletzt auch noch mit Werbung für die US-Behörde ICE aufgefallen ist, bringt das Fass zum überlaufen.

In meine engere Auswahl kommen Deezer, Tidal und Qobuz. Amazon Music, Youtube Music und andere US-Dienste betrachte ich aus ebendiesem Grund nicht. Auch Bandcamp o.ä. sind zwar tolle Dienste, allerdings ist Streaming die Kernanforderung.

Spotify ist nur als Referenz in der Bewertung.

Wer direkt zum Ergbnis möchte, kann nach unten scrollen.

Umgang mit KI-generierter Musik

Hier kann ich mich nur auf evtl. vorhandene Aussagen der Anbieter selbst verlassen, bzw. mir ein Bild aus den Erfahrungen und Berichten Dritter machen. Auf Spotify trifft das nicht ausschließlich zu, da ich hier persönliche Erfahrungen habe.

Eine gute Einordnung gibt es hier: https://www.stereo.de/ratgeber/problemfall-ki-musik-was-tun-streaming-dienste-was-kann-man-selbst-tun

Spotify

Bei Spotify ist die Flut an KI-generierter Musik hoch. So hoch, dass es hin und wieder stört, wobei das sicherlich genreabhängig ist. Ich höre viel Punkrock und etwas weniger Metal. Zumindest beim Punkrock habe ich KI-Musik bisher nur wenig bis gar nicht entdeckt. Es schwappt so langsam in den Pop-Punk hinein, aber nicht so, dass man permanent damit konfrontiert wird. Ähnlich ist es beim Metal. Auch hier kommt es auf das Sub-Genre an.
Bei Pop, Schlagern, Country und sicherlich vielen anderen Genres, stellt sich das Bild anders dar, da es Musik ist, mit der sich in der breiten Masse Geld verdienen lässt. Wird dann so viel Musik-Spam generiert, dass dieser zwangsläufig in den Empfehlungen/Playlists der User auftaucht, verdienen auch die KI-Spammer daran.

Spotify setzt auf zukünftige Selbstkennzeichnung in den Metadaten durch die Ersteller. Einzig Spam soll durch das Heraushalten aus Empfehlungen o.ä., eingedämmt werden.

Was Spotify angeht kann man also sagen, dass aktuell nichts gegen die Flut KI-generierter Musik unternommen wird und auch zukünftig wenig passieren wird.

Platzierung: 3

Deezer

Deezer hat das Problem KI-generierter Musik laut eigener Aussage schon früh erkannt und setzt ein „automatisiertes Detection Tool“ ein.

KI-generierte Songs werden aus Empfehlungen und der sog. Editorial Playlist herausgehalten, was die Sichtbarkeit dieser Inhalte einschränkt. Alben, die teilweise oder gänzlich KI-generiert sind, werden entsprechend markiert.

Darüber hinaus ist man bei Deezer der Ansicht, dass die Anzahl der Akteure, die in der Lage sind, „höherwertige“ KI-Inhalte zu generieren überschaubar sei und dass diese, zumindest bei Deezer, unter Beobachtung stehen.

https://www.stereo.de/ratgeber/problemfall-ki-musik-was-tun-streaming-dienste-was-kann-man-selbst-tun/#h-wie-deezer-ki-musik-bei-sich-kennzeichnet

Platzierung: 1

Tidal

Tidal hält sich zum Umgang mit KI-generierter Musik auf seiner Plattform aktuell bedeckt, jedenfalls konnte ich keine Angaben dazu finden.

Es gibt relativ aktuelle Nutzerberichte (jünger als sechs Monate), wonach Tidal nichts gegen KI-generierte Inhalte unternimmt.

Platzierung: 4


Qobuz

Qobuz hat selbst Richtlinien veröffentlicht, die den Umgang mit KI und KI-generierten Inhalten auf der Plattform regeln. KI-generierte Musik ist zugelassen, wenn diese allerdings mit betrügerischer Absicht veröffentlicht wird, werden die Inhalte entfernt. Außerdem werden KI-generierte Streams aus der Monetarisierung herausgehalten.
Playlisten, Empfehlungen u.ä. werden von Menschen kuratiert.
Kundendaten werden nicht als KI-Trainingsmaterial freigegeben.

https://www.likehifi.de/news/qobuz-veroeffentlicht-leitlinien-fuer-den-umgang-mit-ki-im-musikstreaming/

Qobuz setzt auf ein Zusammenspiel von Maschine-Learning und redaktioneller Tätigkeit beim Kampf gegen KI-Spam.

Platzierung: 2

Bewertung
4 Punkte für Platz 1, 3 Punkte für Platz 2, 2 Punkte für Platz 3 und 1 Punkt für Platz 4.

Rechtsrock

Die Verfügbarkeit von Rechtsrock ist leider eines der weniger diskutierten Themen. Auch hier kann ich in erster Linie von den Erfahrungen mit Spotify berichten. Viele bekannte und weniger bekannte Bands dieser Richtung sind bei Spotify verfügbar. Mal unter anderem Namen, mal in leicht abgewandelter Schreibweise oder auch unter ihrem tatsächlichen Namen.
Leider nur reaktiv, aber dennoch immerhin, geht Spotify dagegen vor. Ich habe dem Support drei Playlists via Chat gemeldet, die daraufhin nach Prüfung gelöscht wurden. Ob die Inhalte der Bands gelöscht wurden kann ich leider nicht sagen.

Vor einigen Jahren gab es ein Experiment des Vereins „Laut gegen Nazis“, der Musik einer fiktiven Rechtsrock Band erstellte, bei Spotify hochlud und dann meldete. Hier wurden letzlich Playlists gelöscht, die Inhalte blieben aber bestehen.
Mehr dazu hier: https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechtsrock-spotify-experiment-100.html

Zu den anderen Streaminganbietern findet man vergleichsweise wenig. Deezer löscht, dem allgemeinen Verlautbaren nach, relativ schnell und unkompliziert derartige Inhalte.

Tidal und Qobuz sind in der Berichterstattung diesbezüglich nicht vorhanden.

Die Punktevergabe ist aufgrunder der nur weichen Faktoren schwierig. Spotify erhält einen Punkt, da immerhin, wenn auch nur halbherzig gelöscht wird. Deezer erhält vier Punkte, Tidal und Qobuz jeweils zwei. Dass es hier keine Berichte gibt, werte ich an dieser Stelle erstmal gleichwertig.

Künstlervergütung

Mit Ausnahme von Qobuz veröffentlicht keiner der betrachteten Streaming Anbieter diese Zahlen. Es handelt sich hier folglich teilweise um ältere und/oder geschätzte Angaben.

Vergütung pro Stream
Vergütung 1000 Streams
Platzierung
Spotify
~0,003 €
~3 €
4
Deezer
~0,006 €
~6 €
3
Tidal
~0,013–0,018 €
~13–18 €
2
Qobuz
0,01802 €
~18 €
1

Die aufgeführten Beträge landen unter Umständen nicht in voller Höhe bei den Künstlern. Labels, Verlage, usw. erhalten gegebenenfalls ihren Anteil.

Nehmen wir mal eine Band, die ich aktuell gern höre: Limits of Approach

Der meistgehörte Song bei Spotify wurde ca. 32.000 Mal gestreamt. Das macht ca. 96 € Vergütung seit der Veröffentlichung im Jahr 2024. Zum vergleich: gäbe es den Song als Single auf Vinyl (5 Songs, Preis ca. 15 €), würde der gleiche Erlös mit ca. 30 verkauften Platten erzielt werden.

Egal um welchen Anbieter es geht: abgesehen von Größen wie Taylor Swift, verdient kaum ein Künstler signifikant durch Streaming. Kauft Platten und Bandshirts, damit unterstützt ihr eure Lieblingsband wirklich. Streaming ist gut, um bekannt zu werden, zu bleiben und neue Musik zu publizieren, finanziell ist es für die allermeisten Künstler jedoch schlicht irrelevant. Trotzdem geht mit der Höhe der Künstlervergütung auch die Wertschätzung für deren Werke einher, was der Vergütung moralische Relvanz verleiht.

Bewertung
4 Punkte für Platz 1, 3 Punkte für Platz 2, 2 Punkte für Platz 3 und 1 Punkt für Platz 4.

Connect Feature

Ich lasse das Connect Feature als Bewertungskriterium mit einfließen, weil ich es in der Vergangenheit u.a. mit einem Raspberry Pi Zero 2w genutzt habe, aber auch, weil damit die Abspielgeräte autark sind, wodurch man Flexibilität gewinnt.

Connect ist eine Funktion, deren Name in erster Linie ein Marketingbegriff ist. Scheinbar hat sich unter den Streaming Anbietern diese Bezeichnung durchgesetzt.
Vereinfacht gesagt, funktioniert es so, dass ein Smartphone das Abspielgerät (z.B. Lautsprecher) nur fernsteuert. Das Abspielgerät stellt die Verbindung zum Streaminganbieter selbstständig her und spielt die Musik ab. So muss man nicht räumlich in der Nähe des Abspielgerätes sein und schohnt ggf. den Smartphone Akku.

  • Spotify: ja
  • Deezer: nein (eingestellt Mitte 2025)
  • Tidal: ja
  • Qobuz: ja (eingeführt Mitte 2025)

Hinweis: Alle hier genannten Dienste sind in Music Assistant verfügbar und lassen sich damit in Home Assistant integrieren.

Bewertung
Connect vorhanden: 1 Punkt, Connect nicht vorhanden: kein Punkt.

Preise

Ganz wichtig: Stand 22.02.2026 – 22:05

Für mich ist der Preis des Familiy Abos wichtig, daher fließt auch ausschließlich dieser in die Bewertung ein. Dolby Atmos, Losless, etc. sind mir nicht so wichtig. Wenn ich ganz bewusst Musik hören möchte, dann lege ich eine Platte auf.

  • Spotify: 21,99€ (Family Premium, 6 Konten)
  • Deezer: 19,99€ (Family, 6 Konten)
  • Tidal: 16,99€ (Familiy, 6 Konten)
  • Qobuz: 20,83€ (Family, 6 Konten)

Bei Spotify habe ich das teurere Family Premium Abo aufgeführt, weil wir das aktuell haben, bzw. immer hatten.

Bewertung
4 Punkte für Platz 1, 3 Punkte für Platz 2, 2 Punkte für Platz 3 und 1 Punkt für Platz 4.

Clients (Apps)

Die Streaminganbieter bieten Clients für unterschiedliche Betriebssysteme an. Daneben bieten alle Anbieter einen Webplayer.
Mir persönlich ist hier eine möglichst große Vielfalt wichtig. Je mehr Betriebssysteme unterstützt werden, desto mehr Punkte gibt es.

  • Spotify: Linux, Windows, Mac OS, Android, iOS
    • Darüber hinaus gibt es weitere inoffizielle Player, beispielsweise Daemons, TUI-Player, usw.
  • Deezer: Linux (Flatpak- inoffiziell), Windows, Mac OS, Android, iOS
  • Tidal: Linux (u.a. Flatpak – inoffiziell), Windows, Mac OS, Android, iOS
  • Qobuz: Windows, Mac OS, Android, iOS
    • Es gibt wohl einige Portierungen für Linux, aber das beschränkt sich m.E. auf Snap (im Wesentlichen Ubuntu) und kleinere Versuche mit Electron.

Ergebnis

KI-Musik
Rechts-rock
Vergü-tung
Connect
Preis Family Abo
Clients
Ge-samt
Spotify
**
*
*
*
*
****
10
Deezer
****
****
**
***
**
15
Tidal
*
**
***
*
****
***
14
Qobuz
***
**
****
*
**
*
13

Das Ergebnis dieses nicht ganz objektiven Vergleichs steht also fest. Spotify landet erwartungsgemäß auf dem letzten Rang. Auf Rang zwei und drei sind Tidal bzw. Qobuz. Deezer belegt knapp Platz eins. Deezer sticht mit dem Umgang mit KI-Inhalten und Rechtsrock heraus, liegt aber bei der Künstlervergütung auf dem vorletzten Platz. Ebenso bei der Clientverfügbarkeit. Hier ist allerdings ausschlaggebend, dass für Tidal mehrere Linux-Clients existieren, was in erster Linie ein Community Verdienst ist.
Tidal hat den günstigsten Preis im Feld, verliert jedoch massiv bei dem Umgang mit KI-Musik.
Bei Qobuz fallen Clientverfügbarkeit und Preis negativer auf. Dafür ist der Umgang mit KI-Inhalten sympathisch, da hier redaktionell ausgesiebt wird. Gleichermaßen natürlich etwas nebulöser, als bei Deezer.

Entschieden habe ich mich noch nicht, da letztlich auch die Verfügbarkeit meiner favorisierten Musikrichtungen entscheidend ist. Qobuz kommt erstmal nicht in Frage, da mir hier ein passender Linux Client fehlt. Setzt man Ubuntu ein, ist Snap wahrscheinlich kein Problem.


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